AfD: Zerfall einer Partei

Die Alternative für Deutschland (AfD) zerfällt in ihre Einzelteile. Beim Parteitag am vergangenen Wochenende wählten die Mitglieder Frauke Petry. Die neue Bundesvorsitzende möchte die AfD weiter rechts positionieren, Parteigründer Bernd Lucke wehrte sich bis zum Schluss dagegen.

Bereits Ende Mai berichtete aktuellinfo über den von Lucke initiierten Weckruf. Nun wurde das Szenario wahr: Lucke ist mit dem „Weckruf“ gescheitert. Mit dem Projekt wollte er möglichst viele Mitglieder für seine Grundidee der AfD begeistern und die Drohung des Massen-Parteiaustritts als Pfand für den Parteitag nutzen. Dafür folgten ihm allerdings zu wenige Mitglieder.

Nach eigenen Angaben hat der Weckruf 4 000 Mitglieder, etwa ein Fünftel aller AfD-Mitglieder. Beim Parteitag aber setzte es eine deutliche Niederlage für Lucke: 38 Prozent wollten ihn als Bundesvorsitzenden, 60 Prozent wählten Petry. In seiner Rede wurde Lucke immer wieder von Buh-Rufen unterbrochen.

Streitpunkt Pegida: Lucke dagegen, Petry dafür

„Wir haben nicht beschlossen, dass wir eine Pegida-Partei sind“, äußerte Lucke und erhielt Buh-Rufe. Auch auf seinen Hinweis der billigen Stimmungsmache setzte es Buh-Rufe. Petry hingegen hat hier die Mehrheit der Partei hinter sich: Pegida-Demonstranten seien die Bürger, „für die wir Politik machen wollen.“ Und der Islam? „Uns völlig fremd und mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.“ Das sind Aussagen, die in der AfD mittlerweile umjubelt und mehrheitsfähig sind.

Für Lucke ist der Kampf um seine eigene Partei beendet. Nach der Wahl ließ er durchblicken, dass er die AfD verlassen werde. Nachdem ihm sein politisches Kind genommen wurde, wird es zum Feind. Treten die Mitglieder des Weckrufs tatsächlich aus der AfD aus, bedeutet das eine enorme Schwächung. Ob Lucke mit einer neuen Partei aber eine ähnliche Kraft entwickeln könnte, wie sie die AfD hatte, bleibt ungewiss.

Rechter Flügel dominiert: AfD wird für Mitglieder und Wähler zu einseitig

Die Zahl der Weckruf-Mitglieder ist für die Partei nicht unerheblich, zudem droht die Partei zu einseitig, zu rechtslastig zu werden. Petry kann die verschiedenen Flügel der AfD nicht mehr bedienen. So werden auf dem Parteitag drei Stellvertreter des zweiköpfigen Vorstands gewählt, die alle dem rechten Flügel zugeordnet werden. Einzig Jörg Meuthen, direkter Stellvertreter Petry´s, gilt als wirtschaftsliberal.

Mit der rechten Positionierung, was beispielsweise Themen wie Flüchtlingspolitik angeht, wird die AfD nicht mehr alle Euro-Kritiker erreichen. Für diejenigen, die zwar dem Euro kritisch gegenüber stehen, aber keine rechten Positionen unterstützen, ist die AfD keine Alternative mehr. Für die Kritik am Euro ist die Partei ursprünglich angetreten. „Das ist weit weg von dem, was ich 2013 vorhatte mit der AfD“, sagte ein sichtlich enttäuschter Lucke nach dem Parteitag.

 

 

 

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