Drohen dem Fußball Doping-Skandale?

Lange Zeit blieb der Fußball vom Thema Doping verschont. Nun ist das Thema durch Dr. Andreas Singler aufgekommen. Der Sportwissenschaftler ist Mitglied der Evaluierungskommission der Freiburger Sportmedizin. Er bezieht sich auf Akten eines Ermittlungsverfahrens gegen den früheren Freiburger Professor Armin Klümper.

Anabolika-Doping: VFB Stuttgart und SC Freiburg betroffen?

Aus den Akten der damaligen Ermittlungen gegen Klümper schließt Dr. Singler: Anabolika-Doping „für den Profi-Fußball in Deutschland sei „sicher zu beweisen.“ Konkret bezieht er sich auf die späten 70er und frühen 80er-Jahre. Da seien der VFB Stuttgart „im größeren Umfang“, aber auch der SC Freiburg „punktuell“ auffällig geworden.

Der frühere Trainer des VFB, Jürgen Sundermann (von 1976 bis 1979 und 1980 bis 1982), bezeichnete die Vorwürfe gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) als „Schwachsinn des Jahrhunderts“. Zu seiner Zeit beim VFB sei „hunderprozentig nichts passiert“.

Lohnt sich Doping im Fußball überhaupt?

Warum erwischte es den Fußball nun so spät? Das Argument vieler Experten lautet: Ein Fußballspiel sei so komplex, da bringt Doping nichts. Der Vorteil eines gedopten Spielers ginge in den Faktoren wie Taktik, Spielintelligenz oder Zufall unter. Ernsthafte Versuche, mit leistungssteigernden Mitteln zu dopen, sind in der Bundesliga bisher nicht publik geworden. Oftmals handelte es sich bei Verstößen um Medikamente gegen Erkältung oder in einem Fall gar um die Einnahme eines Haarwuchsmittels.

Liegen die wahren Skandale vielleicht noch im Verborgenen? Die Zeit berichtet von Aussagen eines Anti-Doping-Ermittlers nach einer Recherche über Doping im Radsport. Demnach habe auch im Fußball in den neunziger Jahren eine Praxis stattgefunden: „Es wurde ja im Stadion ausgelost, welche Spieler später kontrolliert werden sollten. Die Mannschaftsärzte markierten die Lose mit den Namen der Spieler, die gerade problemlos kontrolliert werden konnten, mit einem Punkt. Das Mitglied der Dopingkommission wusste also, aus welchen Zetteln es wählen konnte.“

Tätern drohen harte Strafen: Mindestens vier Jahre Sperre

Zündstoff birgt dieses Thema in jedem Fall. Laut DFB gab es in der vergangenen Saison 2200 Trainings- und Spielkontrollen – aber keine ernsthaften Auffälligkeiten. Wird ein Spieler erwischt, drohen ihm und seinem Verein Strafen. Das DFB-Sportgericht als Entscheider verhängt Erst-Tätern eine Mindest-Sperre von vier Jahren, Wiederholungstätern eine Sperre auf Dauer.


 

AKTUALISIERUNG:

  • Der umstrittene Arzt Joachim Klümper  soll seinen Kunden Rabatte gewährt haben, berichten die Badischen Neuesten Nachrichten. Als Zeuge gab demnach ein ehemaliger Physiotherapeut des VFB Stuttgart 1984 zu Protokoll, er habe Klümper aufgrund eines „finanziellen Engpasses“ im medizinischen Budget des Vereins angesprochen. Klümper habe 20 bis 25 Prozent Rabatt gewährt und auch anderen Kunden verbilligt Medikamente besorgt.
  • Joachim Löw gab nun im ZDF-Sportstudio zu, als Spieler Klümper aufgesucht zu haben: „Natürlich war ich auch das ein oder andere mal da. Mit 18 oder 19 hätte ich mich natürlich nicht getraut nachzufragen und ihm zu sagen, ich möchte das vielleicht im Labor prüfen lassen, was er mir gibt.“ Dennoch sei sein Vertrauen in Ärzte immernoch groß.
  • Zwischen 1970 und 1980 habe es keine Verbote oder Doping-Kontrollen, schlicht „kein Bewusstsein“ für Doping gegeben. Heute gibt es seiner Einschätzung nach durch die vielen Kontrollen kaum noch Möglichkeiten für Spieler, sich unerkannt zu dopen: „Da hat ein Spieler normalerweise eigentlich keine Chance.“
  • Anders als viele Experten (siehe oben) glaubt der Bundestrainer, dass Doping im Fußball sicher einen Vorteil verschaffen kann: „Wenn man das systematisch betreibt, dann kann man natürlich schneller regenerieren. Man kann den Trainingsumfang und die Trainingsintensität erhöhen.“ Deswegen müss Doping mit allen Mitteln bekämpft werden, urteilt der 55-Jährige.

 

Weiterführende Quellen:

16 Doping-Fälle aus der Fußball-Bundesliga listet Die Welt:
http://www.welt.de/sport/article942791/16-Dopingfaelle-im-deutschen-Fussball.html

In einem Schreiben an den VFB Stuttgart kritisiert die Kommissionsvorsitzende Prof. Dr. Letizia Pauli Dr. Singlers Vorstoß als „Alleingang“:
http://www.vfb.de/de/aktuell/meldungen/news/2015/thema-doping-schriftwechsel-kommission,-vfb-/page/9432-1-3-.html?f3

Das Ermittlungsverfahren gegen Armin Klümper: Bericht über den umstrittenen Arzt
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburg-liess-doping-arzt-jahrelang-mietfrei-praktizieren–101366503.html

Der Spiegel beschreibt den Ablauf einer Doping-Kontrolle:
http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-so-funktionieren-dopingkontrollen-in-der-fussball-bundesliga-a-939011.html

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