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Super! Oder einfach nur schade?

Es ist sehr schön. Zugleich ist es schade, wenn ein Spiel wie das Endspiel um den Finaleinzug zwischen Alba Berlin und dem FC Bayern München so alles bietet, was der Sport dramaturgisch zu bieten hat. Man ist hin und hergerissen. Denn zum einen geben Spiele wie diese dem Basketball als Sportart Auftrieb, zum anderen nimmt sie kaum Jemand wahr.

Dabei gibt es doch so viel Sehenswertes. Bayern-Trainer Pešić wird der Halle verwiesen, schreitet schimpfend Richtung Ausgang. Die Berliner rufen ihm hämisch hinterher, die Münchener Fans entgegnen: „Berlin, Berlin, wir scheißen auf Berlin.“ Der FCB führt gerade – bringen sie das Spiel auch ohne ihren Cheftrainer gut zu Ende? Auch Alba-Trainer Saša Obradović ist nicht zu halten, macht die Defense-Aktionen seiner Spieler am Seitenrand mit. Emotionen pur.

Kurz vor dem Spielende steht es Unentschieden. Die Antwort eines Bayern-Spielers? Mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr versenkt er im Fallen einen Dreier. Sekunden später kontern die Berliner mit einem Alley-Oop aus, erhalten dazu einen Freiwurf – wieder Ausgleich. Die Fans gehen lautstark mit, es hält keinen mehr auf den Sitzen. Dramatik pur.

34 lange Spiele ging die Saison, doch in diesem fünften Spiel des Halbfinals entscheidet sich für beide Teams, ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat. Man sieht die Hektik auf den Ersatzbänken, auf dem Feld wird um jeden Zentimeter gerungen. Bullige Center-Spieler beharken sich unter dem Korb, ballführende Aufbauspieler werden bedrängt, der Schlüsselspieler für den entscheidenden Wurf gesucht. Hektik pur.

All das verfolgen 11 443 Zuschauer in einer Sporthalle. Manche über Liveticker im Internet, keiner vor dem Fernseher. Am nächsten Tag werden auch die meisten Zeitungen nicht großflächig von einem dramatischen Spiel berichten. Natürlich geht es weder im Basketball, Handball oder Volleyball um Gelder, die dem Fußball nahe kommen.

Die Brisanz des Kämpfens um immense Summen mag diesen Sportarten fehlen. Aber geht es für den Sportfan nicht zuerst und hauptsächlich um das Spielgeschehen? Alleine in einem Basketball-Spiel boten zwei Mannschaften im Playoff-Halbfinale das Meiste von dem, was im Fußball so bejubelt wird. Warum also tun wir Sportfans so, als sei alleine der Fußball sehenswert? Wollen wir auch andere Sportarten sehen, wird über diese auch mehr berichtet werden.

 

 

München holt sich die Kirsche

Am Ende hatte dieses entscheidende Spiel alles geboten, wovon ein neutraler Basketballfan träumt. Sogar eine Verlängerung gab es, in der die Anspannung jedem Akteur und auch den 11 400 Fans anzusehen war. Letztlich setzte sich der FC Bayern München bei Alba Berlin mit 96:101 durch. Hauptverantwortlich dafür ist eine unglaubliche Dreierquote der Gäste: Mit 14 Dreiern landete die Hälfte aller Versuche im Korb – so viele, wie die Alba-Spieler überhaupt nahmen. Getroffen haben die Berliner dann aber nur drei.

„Holen wir uns die Kirsche auf der Sahnetorte“, rief der Berliner Hallensprecher die Fans nochmal zur Unterstützung auf. In der Overtime ging es aber längst nicht mehr darum, spielerisch zu überzeugen. Beide Teams setzten auf ihre besten Akteure. Auf Seiten der Albatrosse war das an diesem Abend Jamel McLean mit 29 Punkten, bei den Gästen Nihad Djedovic mit 30 Zählern.

Berlin in heimischer Halle gegen Bayern bis dato ungeschlagen

Dabei sprach die Ausgangslage vor dem Spiel ganz klar für Alba Berlin. Zwei zu zwei stand es in der Playoff-Halbfinal-Serie gegen die Münchener. Jeweils hatte das Heimteam gewinnen können, Alba dabei immer sehr deutlich. Alle fünf Heimspiele in Liga und Pokal konnten sie in dieser Saison gegen den FC Bayern München gewinnen. So schienen die Gästespieler vor der Partie bedächtig auf die durch Nebel und Feuerinszenierung einlaufenden Berliner Spieler zu schauen.

Auch ein Pressing über das ganze Feld sowie ein Steal und ein Block zu Beginn ließ die Alba-Fans auf einen stürmischen Beginn hoffen. Der Bayern-Trainer Svetislav Pešić war sieben Jahre für Alba Berlin als Coach aktiv. Nun stand er für die Münchener an der Seitenlinie, besser gesagt auf dem Spielfeld – wild gestikulierend musste er des Öfteren von den Schiedsrichtern hinter die Seitenlinie beordert werden.

Ein erfahrener Dreh- und Angelpunkt der Bayern: Heiko Schaffartzik

Der Spielbeginn seines Teams lief nicht gut, ehe Pešić bereits nach drei Minuten den Aufbauspieler Heiko Schaffartzik einwechselte. Der 31-Jährige, ein Mann für die unmöglichen Würfe, brachte Struktur ins Angriffsspiel der Münchener. Ausgerechnet er, auch ein ehemaliger Berliner, löste die Ganzfeldpresse von Alba geschickt und leitete zugleich einen Fastbreak ein – die Pfiffe der Berliner Fans gegen ihn ließen nicht lange auf sich warten. Auch mit einem Dreier weit hinter der Linie holte er die Gäste emotional ins Spiel zurück.

So arbeiteten die Bayern dagegen an, dass sich Berlin vom 12:7 weiter absetzt. Kurz vor Ende des ersten Viertels stellten die Bayern ebenfalls auf eine Ganzfeldpresse um. Bis zur Halbzeit ging der Kampf weiter: Alba versuchte einen Vorsprung zu erspielen, die Bayern versuchten dran zu bleiben.

Co-Trainer des FC Bayern zu Aktuellinfo: „Gegen Alba Rebounds kontrollieren“

Die Berliner hatten unter dem Korb deutliche Vorteile, holten sich die Rebounds. Auf dieser Position schwächten sich die Münchener dann auch noch selbst, als John Bryant wegen seines bereits dritten Fouls zur Hälfte des zweiten Viertels vorsorglich ausgewechselt wurde. Im Gespräch mit Aktuellinfo betonte Emir Mutapic, Co-Trainer der Bayern, wie wichtig die Rebounds in dieser Serie sind.

Es entwickelte sich ein enges Spiel. Alba-Trainer Saša Obradović war nun trotz guter Hallenlautstärke bis auf die Tribüne zu hören. Längst war klar: Einfach abfertigen lassen sich die Bayern heute nicht. Sein erfahrener Gegenüber sorgte dann für einen Eklat: Pešić monierte eine Schiedsrichter-Entscheidung, erhielt ein technisches Foul. Nachdem er diese Strafe ausgiebig beklatschte, wurde er aus dem Innenraum verwiesen. „Pešić raus“, riefen ihm die Berliner Fans hinterher. Sein Co-Trainer Mutapic musste übernehmen.

Am Ende entschieden Details: FC Bayern München abgezockter

Auf die Spielweise der Bayern hatte der Feldverweis keine sichtbaren Auswirkungen. Beide Teams spielten bisweilen unsicher, auch der hohen Spannung geschuldet. So ging es in die Verlängerung, in der von Anfang an die Gäste überlegen waren. Zur Hälfte der fünfminütigen Overtime warf der Star des FC Bayern, Djedovic, einen Dreier „ins Gesicht“, über den direkt vor ihm stehenden Verteidiger.

Den Vier-Punkt-Rückstand hatten die Berliner dann aber zum 96:96 schnell wieder egalisiert. Beide Teams versuchten nun irgendwie an Punkte zu kommen, sei es durch das Ziehen eines Fouls – angesichts dessen, dass beide Mannschaften bereits fünf Mannschaftsfouls hatten, eine kluge Waffe. Die Bayern entschieden die letzten Nuancen mit ein wenig mehr Abgeklärtheit für sich.

Das Aus kam für die Berliner überraschend. Über die Gründe äußerte sich Alba-Sportdirektor Mithat Demirel exklusiv gegenüber Aktuellinfo.

Aktuellinfo: Können Sie sagen, warum es heute aus spieltechnischer Sicht nicht gereicht hat gegen die Bayern?
Demirel: „Es war ein fünftes Spiel, da kann alles passieren. Wir hatten auch einen freien Wurf am Ende. Es kann so oder so laufen. Ich glaube, die Jungs haben alles gegeben. Ein bisschen Glück gehört in einer solchen Partie dann auch dazu, das war heute nicht auf unserer Seite.“

Wie zufrieden können Sie trotzdem mit der Saison sein?
Demirel: „Das ist jetzt schwer, nach so einer Intensität jetzt ein Fazit zu ziehen. Das werden wir in den nächsten Tagen und Wochen machen.“

Werden Sie den Kader halten, beziehungsweise verstärken können?
Demirel: „Das werden wir auch in den nächsten Wochen angehen.“

 

Mit Rebounds zur Meisterschaft

Deutsche Basketballfans beobachten derzeit gespannt die Duelle zwischen dem FC Bayern München und Alba Berlin. In dem Playoff-Halbfinale steht es 1:1, der Ausgang ist offen. In der ersten Partie konnten die Berliner vor eigenem Publikum mit 81:55 ein deutliches Ausrufezeichen setzen. Die Münchener reagierten und glichen in ihrem ersten Heimspiel der Best-of-Five-Serie aus.

Im Gespräch mit aktuellinfo schätzt Emir Mutapcic, Assistenztrainer des FC Bayern, die Chancen gegen den Hauptstadtclub ein. Der Co-Trainer der Bayern, der auch Muki genannt wird, war 1991 selbst zwei Jahre für Alba Berlin aktiv. Er kennt den Gegner und ist zuversichtlich, das Finale zu erreichen – wenn die Bayern die Rebounds unter Kontrolle bekommen. Im Finale warten die Brose Baskets Bamberg.

Was sind die großen Stärken des FC Bayern, mit denen sie Alba Berlin bezwingen möchten?

Emir Mutapcic: „Unsere Bank ist wichtig. Wir müssen noch einmal spielen, wie das letzte Spiel in München. Wir müssen taff spielen, hart. Ich glaube, unsere zwölf Spieler sind besser, als die von Alba. Aber das müssen wir auf dem Spielfeld zeigen.“

Was hat Ihnen bei im ersten Spiel in Berlin am meisten Probleme gemacht?

Mutapcic: „Die Rebounds. Gegen Alba sind die Rebounds immer sehr wichtig, um zu gewinnen. Wir haben auch im ersten Spiel die Rebounds verloren und deshalb das Spiel verloren. Das bedeutet, uns erwartet ein schweres Spiel. Wir müssen die Rebounds kontrollieren.“

Wie realistisch sehen Sie die Chancen, ins Finale zu kommen und die Meisterschaft zu gewinnen?

Mutapcic: „Realistisch ist es schon, wir haben unsere Qualität. Die müssen wir durchsetzen, körperlich spielen, taff spielen und die Rebounds kontrollieren. Dann haben wir eine Chance.“

 

AfD in der Sinnkrise: Wohin des Weges?

Die Alternative für Deutschland ist eine rechte Partei! Diesem Vorwurf sah sich Parteigründer Bernd Lucke zeitweise in fast jeder Talkshow ausgesetzt. Lucke war nicht nur im Wahlkampf oft bei Jauch, Maischberger oder Plaßberg zu Gast. Wirklich fair ging es da nicht zu, der 52-Jährige scheiterte mit seinen Anti-Rechts-Argumentern an wütenden Fragen oder wütenden Show-Gästen.

Eigentlich waren diese Vorwurfe nicht gerecht. Eigentlich. Lucke ist seine Partei entglitten. Einst war die AfD angetreten, um Eurokritikern eine Protest-Wahlmöglichkeit zu bieten. Das gelang gut bis erfolgreich: Zur Bundestagswahl scheiterte die Partei mit 4,7 Prozent knapp an der 5-Prozent-Hürde, zur Europawahl im vergangenen Jahr erreichte sie über sieben Prozent.

Schicksal des Wachstums: AfD erhält rechten Zuwachs

Eine Basis, auf der sich hinsichtlich der Bundestagswahl 2017 aufbauen ließe. Nun tritt aber ein Streit in der AfD-Führung zu Tage, der schon länger intern schwelt. Lucke versuchte ursprünglich, die Menschen als Wähler zu gewinnen, die den Euro mitsamt seinen Krisen satt haben. Dafür stand er als Professor der Makroökonomie kompetent ein. Auch wenn er im Laufe der Zeit mit zweifelhaften Aussagen zu Flüchtlingen versuchte, sich für den Parteierfolg weiter rechts zu positionieren: Mit den Rechten in der AfD möchte Lucke nicht arbeiten.

Diesem Wunsch verleiht er nun starken Ausdruck. Im Juni soll in einem Parteitag aus der Dreierspitze der Partei eine Doppelspitze gewählt werden. Derzeit hat es der autoritäre Lucke mit dem offiziell gleichgestellten Konrad Adam und Frauke Petry zu tun. Vor allem Petry drängt die AfD auf die rechte Seite und ist auch in der derzeitigen Auseinandersetzung Luckes härteste Kontrahentin.

Lucke startet „Weckruf“: Projekt soll Partei vom rechten Rand wegholen

Um den Druck zu erhöhen, hat Lucke das Projekt „Weckruf“ gestartet. Das Ziel, so teilte es Lucke den AfD-Politikern mit, richte sich gegen „Karrieristen, Intriganten und Vertreter der Neuen Rechten.“ Auch eine Drohung steckt in der Ankündigung für die Mitglieder: „Wir sehen für uns keine Zukunft in der AfD, wenn die Partei nicht entschieden denjenigen Einhalt gebietet, die(…) an den politischen Rändern unserer Gesellschaft hausieren gehen.“

Wie heftig die Auseinandersetzung von Lucke und Petry ist, zeigen die Umstände, unter denen Lucke seine Ankündigung zum „Weckruf“ verbreiten musste. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits nicht mehr befugt, auf das parteiinterne Mailsystem zuzugreifen. Erreicht hat die Mail die Mitglieder dennoch.

In ihr enthalten: Eine klare Drohung. Ebenso enthalten: Eine Einladung zum Schein. Lucke lädt Petry ein, „Weckruf“ beizutreten. Diese hat das bereits öffentlich abgelehnt und betont, es gebe keine Notwendigkeit, die Partei neu zu orientieren. Über 2000 Parteimitglieder, zehn Prozent aller Mitglieder, seien „Weckruf“ aber bereits beigetreten, berichtet der Spiegel.

Projekt „Weckruf“ könnte Partei in die Bedeutungslosigkeit stürzen

So wird das Projekt „Weckruf“ bis zum Parteitag Mitte Juni möglicherweise weiter wachsen. Die Frage ist, ob die Politiker dahinter bis dahin mit der Drohung des Parteiaustritts mächtig genug sind, die AfD zur Neustrukturierung zu zwingen. Kommt Petry hingegen in die Doppelspitze der Partei, scheint ein Austritt Luckes und seinen Vertrauten sowie die Gründung einer neuen Partei – ohne Mitglieder mit rechtem Gedankengut – nicht unrealistisch.

Das würde die AfD entscheidend schwächen. Ohne führende Politiker mit fachlichen Kompetenzen, was die Euro-Frage angeht, sowie  einer Partei mit allzu rechter Orientierung, wäre die Fünf-Prozent-Hürde nicht zu überwinden. Lucke hingegen würden in einer reinen Anti-Euro-Partei für bedeutsame Wahlerfolge genau jene rechten Wähler fehlen, gegen die er gerade agiert.

 

Guardiola und die Bayern – Traumehe vor dem Aus?

Ein Kommentar

„Messi zerstört Guardiolas großes Bauwerk.“ Wer es emotionaler möchte: „Ziehsohn besiegt Ziehvater.“ Die Medien sind nach dem Ausscheiden gegen den FC Barcelona dieser Tage voll von Urteilen, die alle die gleiche Nachricht verfolgen: Der FC Bayern und Pep Guardiola, das reicht nicht für Weltniveau. Viele haben auf diesen Abgesang gewartet – genau genommen, seitdem diese scheinbare Traumehe im Sommer 2013 begann. Der Verein, der das Kontroll- und Kurzpassspiel für sich entdeckt hat, zusammen mit dem Trainer, der es erfunden hat.

Diese Symbiose ist vielversprechend, riecht nach Perfektion. Gegner, Skeptiker und Experten warten seit zwei Jahren auf Fehler der Pep-Bayern. Deren Spieler hingegen lassen ihren Coach nach dem gewonnenen Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal 2014 auf dem Spielfeld im Berliner Olympiastadion demonstrativ hochleben. Eine Geste, deren Ehre Trainern für gewöhnlich nicht bereits im ersten Amtsjahr zuteil wird.

Vier Stammspieler fehlen – welche Mannschaft kann das kompensieren?

Dennoch giert Guardiola nach mehr. Nur mit dem Gewinn der Championsleague könnte man seine Zeit bei den Bayern später einmal als erfolgreich beschreiben. Doch die Ausfälle machen dem 44-Jährigen einen Strich durch die Rechnung. Javi Martinez, David Alaba, Frank Ribéry, Arjen Robben – um nur vier definitive Stammspieler zu nennen.

Gegen den FC Barcelona nun war Guardiola nicht bereit, von seiner generellen Spielidee abzurücken. Ballbesitz, Spielkontrolle, Offensive – die personell stark geschwächte Bayern-Mannschaft scheiterte mit diesem Spiel gegen die wohl derzeit beste Mannschaft der Welt. Wer nun sagt, dass Spitzenteams solche Ausfälle kompensieren müssten, urteilt nicht fair. Weder Barca, Real Madrid, FC Chelsea oder Juventus Turin könnten die Ausfälle von vielen Stammspielern gleichwertig ersetzen.

Bleibt Guardiola? Bis 2016 gibt der Katalane Sicherheit

Die Frage, ob Guardiola seinen Championsleague-Traum bei den Bayern noch verwirklichen kann, beantwortet er selbst. Dass er bis 2016 bleibt, hat er nun versichert. Die Münchener ihrerseits setzen ihn nicht vor die Tür. Er alleine entscheidet, ob es darüber hinaus weitergeht.

Wie es weitergeht? Im Sommer soll millionenschwer in den Spielerkader investiert werden. Zuvor steht aber eine gewichtige Entscheidung an: Verlängert Pep? Schließlich wäre es aus Bayern-Sicht unklug, wenn ein Trainer den Kader umkrempelt, der nur noch ein Jahr bleibt.

Zwei wichtige Aussagen hinterließ Pep zuletzt. Bezüglich einer Vertragsverlängerung sagte er: „Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Nach dem Spiel in Mainz, wenn ihr Journalisten im Urlaub seid, kümmern wir uns darum.“ Nach dem sicheren Aus im Halbfinale kündigte der Katalane an: „Wir werden es im nächsten Jahr noch mal angehen.“ Mit „es“ meint er das Triple.

Alternde oder verletzungsanfällige Stars – steht ein Umbau bevor?

Im Kader der Bayern gibt es viele Baustellen. In persona die beiden Mittelfeld-Strategen Bastian Schweinsteiger (30) und Xabi Alonso (33), denen nachgesagt wird, sie verlangsamen das Spiel. Die beiden so wichtigen Flügelspieler Frank Ribéry (32) und Arjen Robben (31) haben noch keine Saison ganz durchgespielt. Für die heißen Phasen braucht es also möglicherweise hochwertigen Ersatz.

Guardiola hat in Barcelona gezeigt, dass er vor großen Namen nicht zurückschreckt. Damals setzte er die beliebten Stars Ronaldinho, Deco und Eto´o vor die Tür. Bleibt Pep bei den Bayern, gibt es im Sommer eine besonders spannende Transferperiode. Für diejenigen, die an das Duo Guardiola und Bayern glauben, hat das Championsleague-Aus eine gute Nachricht: Der spanische Lehrmeister möchte mit dem deutschen Rekordmeister unbedingt Europas Thron besteigen. Guardiola hat noch nicht fertig.

9. Mai in Berlin: Von Selfies und Nazis

„Ich will auch so eine Russland-Fahne“, sagt ein kleiner deutscher Junge zu seiner Mutter im Treptower Park in Berlin. Er hat den Sinn des 9. Mai nicht verstanden – wie auch. Die Menschenmassen, die sich an diesem Tag durch Berlin bewegen, sind sich ja selbst nicht einig. Antifaschisten und Rechte demonstrieren an diesem Tag an vielen Plätzen.

Am 8. Mai 1945 trat die Kapitulation in Kraft, welche die Wehrmacht zuvor unterschrieben hatte. In Russland wird der 9. Mai als „Tag des Sieges“ angesehen, weil aufgrund der Zeitverschiebung die Aufgabe der Wehrmacht in Moskau erst am Folgetag galt. Es gibt viel Geschichtliches zu diesem Ereignis zu wissen – das ist aber an anderer Stelle zu lesen.

Diesen 70. Jahrestag möchte ich nutzen, um die Stimmung und die Gruppierungen zu beobachten. Ich schwinge mich auf´s Fahrrad und möchte einen Tag lang an den wichtigen Plätzen sein, spreche mit vielen Menschen. Am Ende des Tages habe ich einen gewichtigen Eindruck des 9. Mai 2015 bekommen – und viele Geschichten. Entstanden ist deshalb eine Reportage, die sich nicht unbedingt auf harte Fakten, dafür auf viele Impressionen stützt.

Treptower Park: Tausende Bürger, Politiker und die Nachtwölfe

Der Treptower Park ist an diesem Tag ein wichtiger Anlaufpunkt. Hier, in Treptow, sind viele sowjetische Soldaten begraben. Um elf Uhr ist der Park am Vormittag bereits voll von Menschen. Viele in Berlin lebende Russen gedenken hier mit Blumen den gefallenen Russen des Zweiten Weltkriegs. Davon machen Viele  Erinnerungsfotos, die Symbolträchtigkeit des Augenblicks scheint ihnen wichtig.

Trauermarsch im Treptower Park
Trauermarsch im Treptower Park

Während des Trauermarschs sind aus der Menge immer wieder vereinzelte Worte zu hören, denen ein gemeinsam gerufenes „Hurra“ folgt. Darunter seien Rufe für Russland, gegen Faschismus und für das Gedenken an die gefallenen Russen, erklärt mir eine Russin, die mitläuft. Überall im Park zücken die Menschen ihre Smartphones, um Fotos oder auch Selfies vor einem Mahnmal zu machen.

Eine russische Frau mittleren Alters schließt sich kurz vor dem Ende des Trauermarschs den Laufenden an. Ihre Tochter müht sich, eilt mit der Handykamera durch die Menschenmassen nebenher. „Nur ein Foto“, ruft die Mutter ihr zu – die Tochter filmt den kurzen Marsch ihrer Mutter allerdings. Offensichtlich wird auch hier, wie wichtig ihnen die Symbolik des Mitlaufens, des Mitgedenkens ist.

Neben dem Treptower Park feiern die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Jubiläum. Seit zehn Jahren organisieren sie auf einem großen Platz zum 9. Mai ein Fest. In diesem Jahr ist das Fest wegen dem Jubiläum und dem 70. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs besonders groß.

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Jutta Harnisch leitet die Berliner Geschäftsstelle des Vereins

„Für die Verfolgten, die im KZ überlebt haben, hat dieser Tag eine ganz große Bedeutung“, sagt mir Jutta Harnisch. Sie ist stolz darauf, dass ihr Verein in diesem Jahr zum zehnten Mal das Fest organisiert. Auf die Demonstrationen von Rechten an diesem Feiertag angesprochen, sagt sie: „Unsere jungen Mitglieder machen eine Gegendemo.“ Über die App „Berlin gegen Nazis“ seien sie immer über rechte Demos informiert. „Die Rechten beunruhigen mich trotzdem“, gibt Harnisch zu.

„Ein schönes Fest“, findet eine deutsche Besucherin. Auch wegen der Musik, auch wegen des guten Essens, aber vor allem wegen „vieler politischer Gründe“ komme sie gerne zum 9. Mai auf den Festplatz. Junge Antifa-Gruppen organsieren hier das „schöne Miteinander“, das auch Harnisch so gut findet.

Ihr Verein widme sich vor allem drei Punkten: „Dem Kampf gegen den modernen Nazismus und Populismus sowie Gedenk- und Flüchtlingsarbeit.“ Das ist aus ihrer Sicht auch nötig, denn: „Die Rechten werden einen Aufschub bekommen, das ist ganz klar.“ Dafür stünden auch Pegida und die AfD, die bei Landtagswahlen „aus dem Stand heraus über fünf und zehn Prozent“ geholt habe.

Feier der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und des Bundes der Antischfastinnen und Antifaschisten
Dank an die Befreier aus dem Naziregime

„Ich verneige mich vor den Befreiern der Konzentrationslager, Berlins und Europas“, ruft bei dem Fest ein Mann den mehrheitlich anwesenden Russen unter den Besuchern zu – die Frau neben ihm übersetzt ins Russische. In dem Moment ist lautes Motorengetöse zu hören. Die Nachtwölfe?

Motorengeheul´ unter Applaus
Motorengeheul´ unter Applaus

Unter dem Jubel der Menge ziehen sie aus – Richtung Bundestag, Richtung Hauptbahnhof zu einer Kundgebung von Rechten Gruppen. Dort werden sie wegen Polizeisperren aber nicht angekommen. Ob Antifaschisten, Faschisten, Alternative – auf jeder Kundgebung ist der Unmut zu hören, die Polizei solle doch die Menschen zu den Demonstrationen durch lassen.

Auf meinem Weg zu anderen wichtigen Orten, geplanten Kundgebungen vor dem Kanzleramt sowie vor dem Hauptbahnhof, drückt ein ganz in schwarz gekleideter Mensch seinen Unmut aus: „Mann, seid ihr eklig. Ihr kommt alle aus euren Dreckslöchern, das ist aber unser Gebiet hier!“, ruft er den Russen mit ihren Blumen zu. Eine Einstimmung auf das, was mich am Hauptbahnhof erwartet?

Hauptbahnhof: Treffpunkt für Patrioten, Rechte und Nazis

Vor dem Berliner Hauptbahnhof versammeln sich viele Gruppierungen, vereint in der Kritik an der Bundesregierung und der Aufnahme von Flüchtlingen. Rund 350 Demonstranten versammeln sich – angesichts der angekündigten 1000 eine äußerst geringe Anzahl. „Würden die Züge nicht ausfallen, wären Tausende mehr gekommen“, meint Einer genervt.

Das Restaurant direkt neben der Kundgebung gerät aufgrund von Absperrungen zum einzigen Anlaufpunkt für Toilettengänge. „Nazis lassen wir hier nicht rein“, meint die Bedienung vor der Veranstaltung. Als vor ihr ein breit gebauter Mann mit Glatze und einem schwarzen T-Shirt mit dem Aufdruck „Nahkampf. Vollkontakt. Kategorie C.“ steht, lässt sie ihn doch passieren.

Bevor es losgeht, rede ich mit Jürgen Elsässer. Der Chefredakteur des politischen Magazins Compact soll heute vor den Demonstranten reden. Der 58-Jährige ist dieser Tage ein umstrittener Redner, mit seinen Positionen links wie rechts vertreten. Auf die Frage, was der 9. Mai für ihn persönlich bedeute, sagt er aktuellinfo: „Das ist ein Feiertag, an dem die Länder zusammenkommen und auch Deutsche und Russen zusammenkommen, im Sinne eines Europa der Vaterländer und des Friedens.“ Diese Zusammenkunft sei ihm wichtig.

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Jürgen Elsässer ist ein politischer Aktivist

Um 15 Uhr soll es losgehen mit seiner Rede. Um Punkt 15 Uhr fängt es an zu regnen. Die Nationalsozialisten weichen vom Vorplatz des Hauptbahnhofs vor den Eingang, wo ein Dach vor dem Regen schützt. Dort machen sie sich über „die linken Zecken“ lustig, die auf der anderen Seiten der Spree im Regen stehen. Diese versuchen von dort aus die Reden vor dem Hauptbahnhof mit Trillerpfeifen zu stören.

Auf der einen Seite der Spree: Antifaschisten
Auf der einen Seite der Spree: Antifaschisten

Aus der Menge vor der Bühne schreit jemand die Nazis vom Vordach zurück – es geht los. „Mein Name ist Jürgen Elsässer – und meine Zielgruppe ist das Volk“, beginnt der Journalist seine Rede. Applaus der Menge. „Mein Ziel ist eine Volksfront“, sagt er. Darin solle der Querschnitt der Bevölkerung, Menschen verschiedenen Alters und aus allen politischen Richtungen vertreten sein: „Alle vereint für die nationale Souveränität Deutschlands, für unsere Traditionen und den Frieden.“

Das sei „keine Sache von links oder rechts, sondern eine Sache der Vernunft, des Patriotismus in Zeiten der entfesselten Globalisierung.“ Damit holt Elsässer diejenigen Zuhörer ab, die sich selbst als „konservativ“ oder „patriotisch“ bezeichnen. Vielmehr scheint aber der Patriotismus ein Deckmantel für Menschen mit rechtem Gedankengut zu sein.

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Eine Frau schiebt einen Gehwagen vor sich her. Darauf ein handbeschriebenes Schild: „Vielleicht kommt irgendwann mal wieder die Zeit, in der man Patriot sein darf, ohne als Nörgler zu gelten.“ Später steht sie mit ihrem Wägelchen bei den Nazis. Auch für die hat Elsässer Worte parat. „Wir werden nicht zusehen, wie Flinten-Uschi unsere Söhne und Töchter wieder zum Sterben nach Stalingrad schickt. Dieses Mal (…) für die Profite der amerikanischen Gen- und Erdölindustrie.“

Besonders „abscheulich und heuchlerisch“ finde er in diesen Tagen „unseren Bundespräser, Herrn Gauck“. Bevor Elsässer begründen kann, warum, rufen die Leute „Volksverräter, Volksverräter!“ Der Redner hat seine Zuhörer schnell emotionalisiert. Elsässer weiter: „Dieser Gauck, der heuchlerisch von einem sowjetischen Soldatenfriedhof zum anderen pilgert, aber gleichzeitig zum aktuellen Krieg gegen Russland hetzt.“

Nach dem Regen folgt nun die zweite Störung. Linke haben es vor den Bahnhofseingang geschafft. Sie rufen freudig: „Ihr habt´ den Krieg verlor´n, ihr habt den Krieg verlor´n, ihr habt, ihr habt den Krieg verlor´n!“ Sie selbst sehen sich durch den 9. Mai als befreit vom Nationalsozialismus an – die Rechten als Verlierer des Kriegs. Schnell kommen die Nationalisten, nur wenige Meter und viele Polizisten trennen die beiden Gruppen.

Singen lautstark unter dem Bahnhofsvordach
Antifaschisten singen lautstark unter dem Bahnhofsvordach

Aus der Menge der Nationalsozialisten fliegt eine Bierflasche in Richtung der Gegner. Sie rufen: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“, und lassen folgen: „Antifa, Hurensöhne.“ Jürgen Elsässer redet derweil erfolglos gegen die Auseinandersetzung an. Jetzt hat er seine Zuhörer verloren.

"Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen"
„Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“

Eine dritte Demonstration hat weitaus weniger Besucher. Etwa 30 Menschen sitzen vor einer kleinen Bühne, auf der ein Sänger seine Lieder gegen Krieg und Faschismus darbietet. Der Rap-Beat ist locker, geht gut ins Ohr. Die Message: „Es kam nicht von allein´, man ließ es gut gedeih´n!“ Eine Anspielung auf Lobbyisten, die den Krieg – unter anderem monetär – unterstützten.

Demo gegen Faschismus
Demo gegen Faschismus

Am Ende des Tages stelle ich mein Fahrrad ab. Es bleiben mir viele Eindrücke – nebenbei auch ein Video der Berliner Zeitung, das mich beim Fotografieren der Auseinandersetzung zwischen den Linken und Rechten zeigt (vorne an der Absperrung). Das Video stellt die verbalen Streitigkeiten der beiden Gruppen gut dar.

Genau das ist es auch, was ich erlebt habe. Der 9. Mai 2015 in Berlin war ein Tag des Gedenkens – aber auch ein Tag von Links und Rechts, in dem es nicht um die Befreiung Deutschlands, sondern viel um TTIP, Merkel und die NSA ging.

 


Galerie zum Gedenken und den Demonstrationen am 9. Mai in Berlin
Einfach auf ein Bild klicken, dann erscheint die Galerie

Zwei Jahre NSA-Enthüllungen für Nichts?

Sieht man das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland als Verhältnis zwischen zwei Freunden, so mag man gar nicht glauben, dass die Freundschaft weiterhin besteht. Anders formuliert: Wie kann man einem Freund trauen, der einen hintergeht, dann nicht Rede und Antwort steht, um schließlich weiter zu hintergehen.

Das Ausmaß des Skandals ist eigentlich groß. Die National Security Agency (NSA) holt sich seit Jahren mit Überwachungsmethoden Telefon- und Internetdaten ein. In ihrer Kritik und Schlussfolgerung hält sich die Bundesregierung aber zurück. Auch als die deutsche Regierung in persona Angela Merkel durch das Ausspähen ihres Handys persönlich angegriffen wurde, beließ es die Kanzlerin bei der Aussage: „Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht.“

Spionage-Ziele: Von Bürgern über Unternehmen, bis hin zu Regierungen

Die NSA hat sich sehr intensiv um ihr Aufgabengebiet, den Geheimdienst im Ausland, gekümmert. Daten von verbündeten und nicht verbündeten Ländern, einzelne Politiker, Kommissionen, Unternehmen, Bürger – der amerikanische Geheimdienst hat in großem Stil spioniert. Dieser Skandal wäre ohne einen ehemaligen Mitarbeiter des Geheimdienstes nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

Für die Einen ist Edward Snowden ein Held, für die anderen ein Verräter. Der Amerikaner hat im Sommer vor zwei Jahren über großes Unrecht berichtet – gleichzeitig aber Dienstgeheimnisse seines Arbeitgebers verraten. Letzteres wirft ihm der amerikanische Staat vor, Snowden ist wegen Spionage angeklagt.

Snowden führt ein Leben im Verborgenen – der große Dank bleibt aber aus

Wenn man die weltweite Resonanz auf seine Enthüllungen beobachtet, stellt sich die Frage: Hat es sich gelohnt? Snowden führt ein Leben auf der Flucht, lebt mittlerweile in Russland. Eine Rückkehr in sein Heimatland ist vorerst nicht denkbar, schon gar nicht straffrei. Nach einer großen Welle der Empörung ebbte die Wut auf die NSA über die Zeit ab.

Dabei hätten die Ausspionierten allen Grund zur Verärgerung. Die NSA argumentiert mit der Terrorgefahr – gerät aber angesichts der Spionage von Unternehmen in Erklärungsnot. Antworten erhielt die Bundesregierung damals von keinem führenden Regierungspolitiker der USA. Auch dann nicht, als Kanzleramtsminister Peter Altmaier im Auftrag des Bundestags persönlich einreiste. Aus dem Weißen Haus war lediglich zu hören, dass die Kommunikation der Bundeskanzlerin nicht abgehört werde – zur Vergangenheit kein Kommentar.

NSA-Ausschuss: Sollte aufklären, wird aber ebenfalls ausspioniert

Im März 2014 gründete die Bundesregierung den NSA-Ausschuss. Dieser sollte die Lage aufklären – im Juli wurde bekannt, dass die USA einen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) damit beauftragten, Informationen über den NSA-Ausschuss einzuholen. Ein weiterer und sehr harter Affront, der dem deutsch-amerikanischen Verhältnis aber keinen Abbruch tat.

Im Zuge eines neuerlichen Skandals um die NSA-Affäre blieb Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenfalls zurückhaltend. So wurde nun bekannt, dass die NSA auch nach Aufkommen der Snowden-Enthüllungen im Sommer 2013 noch monatelang Spionage betrieben hat. Der BND wurde von der NSA missbraucht, indem Suchbegriffe untergeschoben wurden.

BND und NSA: Spionierte der deutsche Geheimdienst im Auftrag der USA?

So hat der BND quasi im Auftrag der NSA unter deutschen und europäischen Unternehmen und Institutionen spioniert. Dabei soll es sich um etwa 40 000 solcher Suchbegriffe gehandelt haben. „Der Verrat“, titelte der Spiegel dazu in seiner aktuellen Ausgabe und konstatiert im Untertitel: „BND und Bundesregierung gegen deutsche Interessen.“

Viele Fragen sind derzeit offen. Wie konnte es der NSA gelingen, dass der BND in amerikanischem Interesse ausspionierte? Handelte der BND freiwillig in Kooperation mit den Amerikanern? Was wusste die deutsche Regierung? Wie gut oder schlecht Deutschland im NSA-Skandal dasteht, wird auch davon abhängen, wie die Aufklärung von nun an betrieben wird.

 

 

 

 

 

 

 

Deutschland auf Konfrontation mit der Türkei

Die gewichtigen Worte fielen bei einem Gedenkgottesdienst anlässlich des 100. Jahrestags der Deportation von Armeniern. Bundespräsident Joachim Gauck sprach Vielen aus der Seele, fürchtete keine politischen Folgen. Der 75-Jährige nannte die Vertreibung und Hinrichtung von Armeniern im osmanischen Reich „Völkermord“. Am vergangenen Freitag beschloss der deutsche Bundestag ebenfalls, die Taten fortan als Völkermord zu bezeichnen.

Das Echo aus der Türkei, unter anderem vom türkischen Außenministerium, ist heftig. Dieses teilte mit, Gauck habe „kein Recht, die türkische Nation eines Verbrechens zu beschuldigen, das sie nicht begangen hat“ und betonte, das türkische Volk werde die Äußerungen „nicht vergessen und nicht vergeben.“ Gauck erwähnte in seiner Rede auch die deutsche Schuld.

Die nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reichs entstandene Türkei lehnt die Bezeichnung Völkermord strikt ab. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte Deutschland, Frankreich und Russland, nach dem diese die Taten als „Völkermord“ bezeichneten. Demnach würden sie „Behauptungen aufstellen, die auf armenischen Lügen basieren.“ Erdogan bezeichnete die Taten als „traurige Ereignisse“, nicht aber als Völkermord.

Glaubenskonflikt vor dem 1. Weltkrieg: Armenier im osmanischen Reich unerwünscht

Die Armenier lebten vor dem ersten Weltkrieg in Persien, im osmanischen und russischen Reich. Im osmanischen Reich gab es schon länger gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Armeniern. Die muslimischen Osmanen verlangten von den christlichen Armeniern hohe Steuern, was deren Wunsch nach Eigenständigkeit voran trieb.

Dieser Wunsch wurde im ersten Weltkrieg zum Problem. Auf Angriffe des osmanischen Reichs gab es einen Gegenzug des russischen Reichs. Bei diesem Gegenzug schlossen sich manche Armenier der russischen Armee an. Sie hofften darauf, nach dem Krieg unabhängig zu sein.

Osmanische Führung beschloss Tötung aller Armenier

Die osmanische Führung wertete das als Sabotage und bekämpfte fortan alle Armenier. Die Armenier, die für die Osmanen kämpften, wurden ebenso entwaffnet und hingerichtet, wie Frauen und Kinder. Ein Deportationsgesetz befahl es den Zuständigen in der osmanischen Armee, gegen die Armenier vorzugehen. Diese wurden zunächst entwaffnet, gefangen genommen und dann hingerichtet oder auf Todesmärsche geschickt.

Das Ziel der Märsche war, zumindest inoffiziell, eindeutig: Die Vernichtung der Armenier. Die Märsche sollten nicht in einer Wiederansiedlung, sondern mit dem Tod enden. Es gab dabei Gouverneure, die sich weigerten, den Befehl durchzusetzen. Allerdings wurden diese abgesetzt und anschließend hingerichtet. Deutschland wusste von den Taten und Zielen, wollte aber die „Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite haben“, wie Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg Ende 1915 schrieb.

Streitpunkte: Begriff „Völkermord“ und Anzahl der Opfer

Sowohl in der Bezeichnung der Taten als Völkermord und in der Anzahl der Opfer gehen die Darstellungen der Türkei und anderer Ländern auseinander. Nach armenischen Angaben und der Ansicht vieler Experten liegt die Zahl der Opfer bei 1,5 Millionen Menschen. Die Türkei nennt 300.000 Opfer.

Wer die Taten im osmanischen Reich und damit auf dem Gebiet der heutigen Türkei als Völkermord bezeichnet, wird von Seiten der türkischen Regierung scharf kritisiert. Doch was wird offiziell als Vökermord bezeichnet? Die UN versteht darunter „Absichten, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören.“

Bislang mied Deutschland die Bezeichnung Völkermord, was sich mit dem Beschluss des Bundestags am vergangenen Freitag nun ändert. Papst Franziskus benannte die Taten anlässlich des Gedenktages als Völkermord. Ebenso verwenden unter anderem Russland, Italien und Frankreich den Begriff. Die USA, Israel und bislang auch Deutschland vermieden die Bezeichnung.

Weiteres Streitpotential: EU fordert Türkei zur Richtigstellung auf

Im deutschen Bundestag lobte Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, Gauck für dessen „klare Worte“, kritisierte aber zugleich Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wäre es nach Ihnen gegangen, würden wir bis heute das türkische Narrativ wiederholen, dass es den Völkermord nicht gab.“

In dem Thema liegt weiteres Konfliktpotential. Das europäische Parlament fordert von der Türkei die Bezeichnung der Taten als Völkermord. Der türkische Präsident Erdogan lehnte das ab und kommentierte, die Aufforderung gehe „bei uns zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus“.

 

 

In der Bundesliga kracht es – ein Überblick

Lange Zeit war es ruhig in der Fußball-Bundesliga. Dann krachte es innerhalb  von 48 Stunden gewaltig. Alles schien fix bei Thomas Tuchel und dem HSV, ehe beide Seiten dann doch nicht wollten. Jürgen Klopp schien bei Borussia Dortmund zum personellen Umbruch im Sommer bereit – nun geht er selbst zum Saisonende.

Fall HSV: Jahrelang am Abgrund – nun der erste Abstieg?

Selbst für den krisengeschüttelten HSV ist das eine außerordentliche Bilanz: Mit Bruno Labbadia agiert bereits der fünfte Trainer in dieser Saison an der Seitenlinie der Hamburger. Labbadia gilt als Freund von Manager Dietmar Beiersdorfer, war bereits in der Saison 2009/2010 für den HSV tätig.

Da führte er den HSV in das Halbfinale der Europaleague, die Mannschaft beendete die Runde auf Platz sieben. Drei Spieltage vor Schluss wurde Labbadia damals entlassen. Heute wäre man in Hamburg froh um solche Platzierungen. Auf Platz 18 angelangt, geht es für den HSV ums Überleben. Der erste Abstieg in der Geschichte des Bundesliga-Dinos droht. Und so verkündet Labbadia zum Antritt: „Es helfen nun keine Scheißhausparolen.“

 Der HSV ist für viele Trainer atttraktiv. Die Mannschaft an sich tut seit Jahren nichts für diese Attraktivität. Zum einen aber ist es das durchaus vorhandene Potential, die Tradition und der nicht zu unterschätzende Faktor einer traumhaften Stadt, was den HSV so interessant macht.

Nun soll es Labbadia richten – das Kurzzeit-Experiment mit Peter Knäbel, der wie aus dem Nichts vom Sportdirektor zum erfahrenen Abstiegskampf-Trainer mutieren sollte, ist gescheitert. Labbadia muss nun den Tabellenletzten vor allem torgefährlicher machen. 18 Tore hat der HSV bislang erzielt, der einen Platz davor rangierende VFB Stuttgart hat mit 31 fast doppelt so viele.

Die Auswahl beschränkt sich für die restlichen sechs Partien auf drei Hoffnungsträger im Sturm. Hoffnungsträger, weil sie durchaus schon respektable Tor-Quoten erreichten. Allerdings scheinen in dieser Saison alle drei Angreifer des HSV nicht torgefährlich: Pierre-Michel Lasogga ist eher durch Verletzungsmeldungen, als durch Torjubel bekannt. Artjoms Rudnevs traf zuletzt vor fünf Monaten und stand zuletzt nicht einmal mehr im Kader.

Rückkehrer Ivica Olic kam zur Winterpause. 1,6 Millionen Euro zahlten die Hamburger für den Kroaten. Viel Geld für den Routinier, der aber immerhin mit der Empfehlung als Stammspieler des VFL Wolfsburg und fünf Hinrunden-Toren nach Hamburg kam. In bislang zehn Spielen gelang aber auch ihm kein Treffer. Da stellt sich die Frage: Krankt da nicht das HSV-Spiel an sich?

Die HSV-Führung hat beschlossen: Der Nicht-Mehr-Spielmacher Rafael van der Vaart und der ewig hinterfragte Marcell Jansen müssen den Verein zum Saisonende verlassen. Dennoch kann es den Umbruch erst im Sommer geben. Hilfe können derzeit weder externe Spieler, noch Spieler aus der zweiten Mannschaft leisten. Die Ausgebuhten um Kapitän Heiko Westermann müssen es richten.

Fall BVB: So eine Saison sah kein Experte kommen

Schafft der BVB in dieser Saison wieder den Anschluss zum Rekordmeister FC Bayern? Wohl nicht, aber sie werden sicher Zweiter – so die fast einstimmige Prognose der Fußballexperten für die Borussen vor der Saison. Es kam komplett anders: Mit Glück landete der BVB nach der Hinrunde noch auf Platz 17, knapp vor dem SC Freiburg.

Schon zum Winter wurde spekuliert: Tut sich der BVB einen Gefallen, indem er sich von Klopp trennen würde? Zieht Klopp selbst die Konsequenzen und tritt zurück? Die Verantwortlichen entschieden sich für die volle Offensive und wollten mit einer guten Winter-Vorbereitung und ihren alten Stärken das Feld von hinten aufrollen. Geschafft haben es die Dortmunder nicht: Auf Platz zehn vorgerückt, sind die Borussen noch weit vom Fußball der beiden Meisterjahre 2011 und 2012 entfernt.

Seit Tuchel sein Sabbat-Jahr angetreten hat, wird spekuliert: Welcher Verein zahlt dem FSV Mainz 05 doch noch eine Ablöse? Springt er als Feuerwehr-Mann beim HSV ein? Nun wird es so kommen, wie es Tuchel selbst gesagt hat: Im Sommer 2015 steht er wieder zur Verfügung.

Tuchel passt perfekt in das Profil des Klopp-Nachfolgers. Ebenso wie Klopp hat er die kleinen Mainzer nach vorne gebracht, ist auf Pressing-Fußball versessen und scheint bereit für größere Aufgaben, für Stars und Championsleague. Aber ebenso schien das Bild des Thomas Tuchel als Aufbauhelfer in Hamburg gezeichnet.

Man muss in diesen Wochen vorsichtig sein, was Spekulationen angeht. Auch die Dortmunder Veranwortlichen wissen um Tuchels Qualitäten – öffentlich wurde aber bereits ein Treffen mit dem Augsburger Trainer Weinzierl und das kolportierte Interesse am Gladbacher Lucien Favre – beide stehen aufgrund ihrer Verträge nicht zur Verfügung.

Dass sich die Borussen am internationalen Trainermarkt bedienen, scheint unwahrscheinlich. Derzeit stehen keine für den BVB interessanten Übungsleiter zur Verfügung. Und Klopp? Für den stehen aktuell zwei Theorien im Raum: Im Sommer folgt er den jahrelangen Lockrufen aus England (Manchester City) oder wird 2016 gar Nachfolger von Pep Guardiola bei den Bayern. Letzteres wäre eine Geschichte, die wieder Jeder „schon lange geahnt“ hätte.

 

Ein Treffen wie ein Meilenstein

Selten spürt man bereits in der Gegenwart eine historische Bedeutung. Als sich US-Präsident Barack Obama und der kubanische Präsident Rául Castro am Rande des Amerika-Gipfels in Panama aber zu einem Gespräch trafen, war das der Fall. Obama selbst bezeichnete das 80-minütige Gespräch der beiden Staatsoberhäupter als „historisches Treffen“.

Um die Größe der Situation begreifen zu können, muss man auf die Geschichte von Kuba und den USA zurück blicken. Das letzte Treffen zwischen eines kubanischen und amerikanischen Regierungschefs liegt 59 Jahre zurück. Seitdem belasteten Embargos, Verhaftungen und Kriegsandrohungen das Verhältnis.

Kubanische Revolutionäre von den USA nicht als Regierung anerkannt

Angefangen hat der Streit mit dem Sturz der kubanischen Diktatur 1959. Die Revolutionäre Fidel Castro und Che Guevara sowie der heutige Präsident Rául Castro führten den Sturz an. Als Fidel Castro sich als neuer Anführer des Landes sieht und für ein Treffen in die USA reist, lehnt der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower einen Empfang ab.

che-guevara-62918_1280 (Medium)Symbol der Revolution: Che Guevara

Nachdem die Kubaner amerikanisches Eigentum und Land enteignen, reagieren die Vereinigten Staaten und verhängen ein Teilembargo, beendeten später jegliche Handelsbeziehungen. 1961 versuchen die Amerikaner, durch kubanische Söldner die Castro-Brüder und Che Guevara zum Sturz bringen. Der Plan misslingt und hat für die USA schwere Folgen: Kuba verstärkt die Beziehungen zur Sowjetunion.

Die Welt stand kurz vor einem Atomkrieg

Ein Jahr darauf erreicht die Kuba-Krise ihren Höhepunkt. 15 Tage lang herrscht eine Ausnahmesituation: Die Sowjetunion stationierte Raketen auf Kuba, die USA ihrerseits in der Türkei. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy drohte, die USA werde auf einen Angriff gegebenfalls mit Atomwaffen reagieren. Nach langen Verhandlungen und einer Seeblockade der USA einigen sich Kennedy und der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow darauf, die Raketen jeweils abzuziehen.

Über die Jahrzehnte wechselten die Amtsinhaber auf Seiten der USA – die gegenseitige Ablehnung blieb. Viele Kubaner folgten dem Lockruf der Amerikaner und reisten aus Kuba aus. Die USA verschärften je nach Lage das Handelsembargo. Erst die Jahrtausend-Wende brachte wieder eine Annäherung. Erstmals gab es von amerikanischen Firmen wieder Lieferungen nach Kuba – zunächst aber nur in Form von humanitärer Hilfe.

Trotz Gespräch: Beide Obama und Castro sehen große Differenzen

Nachdem Obama 2009 dann Reisebeschränkungen für Kubaner aufhob, folgten Gespräche zwischen den Regierungen. Fünf Jahre später beschlossen Obama und Raúl Castro, dass die Botschaften in dem jeweils anderen Land wieder eröffnet werden sollten. Die USA schwächten das Embargo ab, die Kubaner lassen im Gegenzug politische Gefangene frei. Kleine Schritte, die nun zu „historischen Treffen“ führten.

Das Gespräch der beiden Staatsoberhäupter offenbarte: Es gibt große Differenzen – nur der Umgang damit soll künftig harmonischer sein. So befand Obama nach dem Austausch: „Wir konnten uns ehrlich über unsere Meinungsverschiedenheiten und Bedenken unterhalten.“ Wichtig sei dabei der gegenseitige Respekt, betonte Castro.

Obama betonte, man werde nicht aufhören, „über Themen wie Demokratie, Menschenrechte sowie die Versammlungs- und Pressefreiheit zu sprechen.“ Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sagt voraus: „Wir werden weiter Meinungsverschiedenheiten mit Kuba haben.“ Beide Seiten wissen darum.

Kuba leidet „entsetzlich“  unter dem Handelsembargo

Für Kuba wäre ein Wegfall der Handelsbeschränkungen wirtschaftlich enorm wichtig. Die Folgen des Embargos seien für Kuba „entsetzlicher, als sich jeder vorstellen kann“, sagte Castro. Das ist einer der Gründe, warum eine weitere Annäherung forciert wird. Das wird Zeit brauchen, so schätzt der kubanische Präsident:  „Wir müssen geduldig sein, sehr geduldig.“

Den aktuellen US-Präsidenten nahm Castro  von der bisherigen Geschichte aus: „Präsident Obama hat damit nichts zu tun. Er ist ein ehrlicher Mann.“ Ein Satz, bei dem Ráuls großer Bruder vermutlich vom Stuhl gekippt wäre, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Aber genau diese Ansicht Rául Castros ermöglicht erst neue Gespräche und in Zukunft eventuell ein unbeschwertes Miteinander.

Kuba fordert: Keine Sanktionen mehr

Aus dem Treffen sollen nach dem Willen Kubas vor allem zwei Handlungen folgen: Die Streichung von der amerikanischen Liste als „Terror-Land“ sowie die Beendigung der Sanktionen. Für Ersteres wird sich die USA wohl entscheiden – die Streichung der Sanktionen aber kann Obama aufgrund seiner verlorenen Mehrheit im Kongress mit den Demokraten nicht alleine entscheiden.

 

 Weiterführende Quellen:

Die Zeit berichtet Hintergründe zur Streichung Kubas von der Terror-Liste:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-04/usa-kuba-beziehung-castro-obama-terrorliste

Bereits ein Händedruck zwischen Obama und Castro Ende 2013 war als „Novum“ bezeichnet worden, wie der Spiegel berichtet:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/mandela-trauerfeier-aufregung-um-handschlag-von-obama-und-castro-a-938340.html

Die Deutsche Wirtschaftsnachrichten gehen auf die emotionale Rede Castros ein, in der er die USA kritisiert:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/11/kuba-schonungslose-abrechnung-castros-mit-der-us-politik/