Guardiola und die Bayern – Traumehe vor dem Aus?

Ein Kommentar

„Messi zerstört Guardiolas großes Bauwerk.“ Wer es emotionaler möchte: „Ziehsohn besiegt Ziehvater.“ Die Medien sind nach dem Ausscheiden gegen den FC Barcelona dieser Tage voll von Urteilen, die alle die gleiche Nachricht verfolgen: Der FC Bayern und Pep Guardiola, das reicht nicht für Weltniveau. Viele haben auf diesen Abgesang gewartet – genau genommen, seitdem diese scheinbare Traumehe im Sommer 2013 begann. Der Verein, der das Kontroll- und Kurzpassspiel für sich entdeckt hat, zusammen mit dem Trainer, der es erfunden hat.

Diese Symbiose ist vielversprechend, riecht nach Perfektion. Gegner, Skeptiker und Experten warten seit zwei Jahren auf Fehler der Pep-Bayern. Deren Spieler hingegen lassen ihren Coach nach dem gewonnenen Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal 2014 auf dem Spielfeld im Berliner Olympiastadion demonstrativ hochleben. Eine Geste, deren Ehre Trainern für gewöhnlich nicht bereits im ersten Amtsjahr zuteil wird.

Vier Stammspieler fehlen – welche Mannschaft kann das kompensieren?

Dennoch giert Guardiola nach mehr. Nur mit dem Gewinn der Championsleague könnte man seine Zeit bei den Bayern später einmal als erfolgreich beschreiben. Doch die Ausfälle machen dem 44-Jährigen einen Strich durch die Rechnung. Javi Martinez, David Alaba, Frank Ribéry, Arjen Robben – um nur vier definitive Stammspieler zu nennen.

Gegen den FC Barcelona nun war Guardiola nicht bereit, von seiner generellen Spielidee abzurücken. Ballbesitz, Spielkontrolle, Offensive – die personell stark geschwächte Bayern-Mannschaft scheiterte mit diesem Spiel gegen die wohl derzeit beste Mannschaft der Welt. Wer nun sagt, dass Spitzenteams solche Ausfälle kompensieren müssten, urteilt nicht fair. Weder Barca, Real Madrid, FC Chelsea oder Juventus Turin könnten die Ausfälle von vielen Stammspielern gleichwertig ersetzen.

Bleibt Guardiola? Bis 2016 gibt der Katalane Sicherheit

Die Frage, ob Guardiola seinen Championsleague-Traum bei den Bayern noch verwirklichen kann, beantwortet er selbst. Dass er bis 2016 bleibt, hat er nun versichert. Die Münchener ihrerseits setzen ihn nicht vor die Tür. Er alleine entscheidet, ob es darüber hinaus weitergeht.

Wie es weitergeht? Im Sommer soll millionenschwer in den Spielerkader investiert werden. Zuvor steht aber eine gewichtige Entscheidung an: Verlängert Pep? Schließlich wäre es aus Bayern-Sicht unklug, wenn ein Trainer den Kader umkrempelt, der nur noch ein Jahr bleibt.

Zwei wichtige Aussagen hinterließ Pep zuletzt. Bezüglich einer Vertragsverlängerung sagte er: „Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Nach dem Spiel in Mainz, wenn ihr Journalisten im Urlaub seid, kümmern wir uns darum.“ Nach dem sicheren Aus im Halbfinale kündigte der Katalane an: „Wir werden es im nächsten Jahr noch mal angehen.“ Mit „es“ meint er das Triple.

Alternde oder verletzungsanfällige Stars – steht ein Umbau bevor?

Im Kader der Bayern gibt es viele Baustellen. In persona die beiden Mittelfeld-Strategen Bastian Schweinsteiger (30) und Xabi Alonso (33), denen nachgesagt wird, sie verlangsamen das Spiel. Die beiden so wichtigen Flügelspieler Frank Ribéry (32) und Arjen Robben (31) haben noch keine Saison ganz durchgespielt. Für die heißen Phasen braucht es also möglicherweise hochwertigen Ersatz.

Guardiola hat in Barcelona gezeigt, dass er vor großen Namen nicht zurückschreckt. Damals setzte er die beliebten Stars Ronaldinho, Deco und Eto´o vor die Tür. Bleibt Pep bei den Bayern, gibt es im Sommer eine besonders spannende Transferperiode. Für diejenigen, die an das Duo Guardiola und Bayern glauben, hat das Championsleague-Aus eine gute Nachricht: Der spanische Lehrmeister möchte mit dem deutschen Rekordmeister unbedingt Europas Thron besteigen. Guardiola hat noch nicht fertig.

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